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Finger weg von Billig-Angeboten – die Hardware-Mafia schläft nicht

03.04.2026 4 Min. Lesezeit
Foto: © Unsplash | @ jakobowens1
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Ich hab es ja schon oft gesagt: Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch. Aber was wir im April 2026 im Bereich der gebrauchten Festplatten erleben, hat eine neue, beängstigende Qualität erreicht. Ein aktueller Bericht von Heise online (Link 11227660 / siehe Quellenangaben) bestätigt, dass der Betrug mit als „neu“ deklarierten Enterprise-Laufwerken kein Ende nimmt.

Im Gegenteil: Die Methoden werden so professionell, dass selbst erfahrene Admins zweimal hinschauen müssen.

Meine Meinung dazu ist glasklar: Das ist kein dummer Jungenstreich, das ist organisierte Kriminalität, die unsere Datensicherheit gefährdet. Wer eine 20-TB-Platte für sein NAS kauft, vertraut ihr sein digitales Leben an. Dass Betrüger hier wissentlich Laufwerke mit 50.000 Betriebsstunden als „0 Stunden“ verkaufen, ist nichts anderes als eine geplante Datenkatastrophe. Wir bei vzcsystem.at raten daher zur extremen Vorsicht, besonders bei Marktplätzen wie Amazon oder eBay, wo die Lieferketten oft undurchsichtig sind.

Wenn SMART-Werte lügen

Bisher galt der Blick in die SMART-Daten (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) als sicher Weg, um die Laufzeit einer Platte zu prüfen. Doch die Betrüger haben aufgerüstet. Sie nutzen mittlerweile spezialisierte Tools, um den Controller direkt zu manipulieren.

Die Methoden der Betrüger werden immer raffinierter. Bei sogenannten Firmware-Hacks werden etwa die Seriennummer und die Power-On-Hours im SMART-Log einfach auf null gesetzt. Für den PC wirkt das Laufwerk dadurch wie frisch aus dem Werk und meldet sich scheinbar als fabrikneu.

Besonders brisant ist die Manipulation der sogenannten FARM-Werte (Field Accessible Reliability Metrics). Sie gelten inzwischen als eine Art neuer Goldstandard, wenn es darum geht, gebrauchte oder auffällig manipulierte Festplatten zu entlarven. Während klassische Tools meist nur die normalen SMART-Werte auslesen, enthalten die herstellerspezifischen FARM-Daten – vor allem bei Seagate-Laufwerken – oft noch deutlich tiefere Informationen über die tatsächliche Historie. Genau deshalb greifen Betrüger mittlerweile auch dort an und überschreiben selbst diese tiefer im System liegenden Register.

© Unsplash | @ cartist

Hinzu kommt eine gezielte Garantie-Verschleierung. Dabei werden Seriennummern von echten Festplatten übernommen, die noch über eine laufende Garantie verfügen, und auf gefälschte Labels gedruckt. Bei einer Online-Prüfung sieht dann alles sauber und plausibel aus, obwohl die tatsächlich verbaute Festplatte im Inneren des Gehäuses längst alt oder stark genutzt ist.

Das zeigt, wie professionell dieser Betrug inzwischen geworden ist. Die Identifikation manipulierten Festplattenmaterials erfordert heute oft alternative Prüfmethoden, die über klassische SMART-Checks weit hinausgehen. Teilweise ist sogar ein Blick in interne Log-Files der Schreibköpfe nötig, um Auffälligkeiten überhaupt noch zuverlässig erkennen zu können.

„Der Betrug ist mittlerweile so perfektioniert, dass die Identifikation manipulierter Festplatten alternative Prüfmethoden wie den Blick in die internen Log-Files der Schreibköpfe erfordert.“ – Experten-Einschätzung zur aktuellen Lage (via WinFuture).

Worauf du jetzt achten solltest

Journalistisch betrachtet müssen wir den Druck auf die Hersteller und großen Plattformen erhöhen. Es kann nicht sein, dass wir als Endkunden die Forensiker spielen müssen. Aber bis sich etwas ändert, hier mein technischer Rat für alle Leser:

  1. Physischer Check: Schau dir die SATA-Kontakte an. Wenn dort Kratzer von mehrmaligem Ein- und Ausstecken zu sehen sind, ist die Platte nicht neu, egal was die Software sagt.
  2. Die „Log-Lüge“: Nutzt Tools wie smartmontools und schaut nicht nur auf die Stunden, sondern in das Self Test Log und das Error Log. Wenn dort Einträge von vor drei Jahren stehen, aber die Laufzeit „5 Stunden“ beträgt, habt ihr einen Betrüger entlarvt.
  3. Produktionsdatum vs. Garantie: Wenn die Platte laut Aufkleber aus 2026 stammt, die Garantieabfrage aber ein Ablaufdatum in 2027 anzeigt (bei eigentlich 5 Jahren Garantie), stimmt etwas gewaltig nicht.

Der Markt für Enterprise-Festplatten ist im April 2026 wie ein Minenfeld. Manipulierte Firmware macht herkömmliche Checks fast wertlos. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft nur bei zertifizierten Distributoren und prüft jede Platte sofort mit Profi-Tools wie smartctl. Vertrauen ist gut, ein tiefer Blick in die FARM-Daten ist besser.

Hast du schon mal eine Festplatte zurückgeschickt, weil die Werte nicht zum Versprechen passten, oder verlässt du dich blind auf die Angaben deines Händlers?
Patrick Brunner 03.04.2026
Quellenverzeichnis (6)

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