Künstliche Intelligenz, Netzwerk

Die Framer-Falle: Wie KI und Templates das Netz mit schönen Hüllen fluten

06.04.2026 3 Min. Lesezeit
Foto: © Unsplash | @martz90
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Wer in den letzten Wochen durch seinen TikTok- oder Instagram-Feed gescrollt ist, kennt das Phänomen: Ein extrem slickes Video zeigt eine Website, die scheinbar aus der Zukunft kommt. Flüssige 3D-Renderings, brachiale Scroll-Hijacking-Effekte, Typografie, die sich in Echtzeit verformt, und ein Design, das so makellos wirkt, dass man sofort den Link in der Bio klickt.

Doch wenn man dann auf dieser Seite landet und sich durch die endlosen WebGL-Animationen wühlt, bleibt am Ende oft nur eine Frage: Was zum Teufel machen die hier eigentlich?

Es gibt kein klares Produkt. Keine echte Dienstleistung. Keine Firmenadresse im Impressum. Nur Parallax-Effekte, die die GPU des eigenen Smartphones zum Kochen bringen. Wir haben es hier mit einer neuen Form der digitalen Umweltverschmutzung zu tun: Wunderschöner, extrem aufwendig wirkender Code-Müll.

© Unsplash | @@dlxmedia

Die Werkzeuge der Illusionisten: Framer, Webflow und KI

Um dieses Phänomen zu verstehen, müssen wir uns ansehen, wie das Web im Jahr 2026 gebaut wird. Noch vor wenigen Jahren brauchte man ein Team aus Senior Frontend-Entwicklern, um flüssige 3D-Transitions im Browser zum Laufen zu bringen. Heute? Reicht ein gutes Prompt in einem KI-Website-Builder oder ein gekauftes Premium-Template für Framer oder Webflow.

Diese Plattformen haben die Einstiegshürde für High-End-Design auf null gesenkt. Jeder mit 50 Euro Budget kann heute eine Website ins Netz stellen, die auf den ersten Blick aussieht, als hätte eine Top-Agentur aus San Francisco ein halbes Jahr daran geschraubt. Das Problem dabei: Diese Werkzeuge werden massenhaft missbraucht, um mangelnde Substanz zu kaschieren. Es ist das digitale Äquivalent zu einem Lamborghini, unter dessen Haube der Motor eines alten Mofas steckt.

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Engagement-Farming und die Masterclass-Falle

Warum aber fluten diese Seiten gerade jetzt das Netz? Die Antwort liegt in der Aufmerksamkeitsökonomie der sozialen Netzwerke. Ein cleanes, informatives Layout geht im TikTok-Algorithmus gnadenlos unter. Ein explodierender 3D-Schädel, der beim Scrollen in tausend Neon-Partikel zerfällt, generiert hingegen Watchtime, Likes und Shares.

Hinter vielen dieser Seiten stecken keine Entwickler-Portfolios, sondern eiskalte Engagement-Farmer. Die extremen Designs dienen als reiner Köder ("Bait"). Hat man die User erst einmal auf der Seite, geht es meistens nur noch um zwei Dinge: Entweder werden im Hintergrund massenhaft Tracking-Daten und E-Mail-Adressen für fragwürdige Krypto- oder Dropshipping-Newsletter gesammelt. Oder der "Creator" verkauft am Ende des endlosen Scrolls eine überteuerte "Web Design Masterclass", die genau den Kids, die er gerade geblendet hat, verspricht, sie in zwei Wochen reich zu machen.

Meine Meinung: Form Follows Function bleibt das Gesetz

Wir verstehen uns hier bei VZC System als absolute Design-Liebhaber. Wer eine professionelle, Apple-ähnliche Ästhetik anstrebt, weiß ganz genau: Minimalismus, Eleganz und eine perfekte User Experience (UX) zeichnen sich nicht durch visuelles Geschrei aus, sondern dadurch, dass der Nutzer sofort findet, was er sucht. Echtes Design löst Probleme. Diese neuen Hype-Seiten sind das Problem.

Sie brechen jede etablierte Regel der Barrierefreiheit, machen Screenreader nutzlos und verschwenden Bandbreite für Nichts und wieder Nichts. Es ist an der Zeit, dass wir uns als Nutzer nicht mehr von puren optischen Reizen blenden lassen. Wenn eine Website nach 10 Sekunden Scrollen immer noch nicht klargemacht hat, welchen Mehrwert sie bietet, ist sie kein Kunstwerk – sie ist einfach nur ein extrem gut verpackter Betrug an deiner Lebenszeit.

Der Trend zu extrem überdesignten, inhaltsleeren Websites ist das Resultat von KI-Tools und Social-Media-Algorithmen, die Optik über Substanz stellen. Lasst euch von den krassen Animationen nicht täuschen: Wer echten Content oder echte Produkte hat, muss euch nicht mit endlosen WebGL-Gewittern ablenken.

Seid ihr in letzter Zeit auch schon auf solchen Seiten gelandet und habt euch nach fünf Minuten Scrollen gefragt, was ihr da eigentlich gerade anschaut?

Kristijan Varzanovic 06.04.2026
Quellenverzeichnis (9)

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